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Desiring God

Wie man im Heiligen Geist betet

30. Juni 2026Jason Meyer9 Min. Lesezeit

Ich verbrachte fünf Jahre damit, tief in die Predigten von Martyn Lloyd-Jones einzutauchen. Es war eine Zeit, die mein Leben nachhaltig veränderte. Was war die wichtigste Erkenntnis? Die Antwort mag überraschen: Er lehrte mich, wie man betet.

Wer Lloyd-Jones wirklich kannte, wird diese Antwort allerdings überhaupt nicht überraschend finden. Seine Frau sagte einmal: „Niemand wird meinen Mann jemals wirklich verstehen, solange er nicht erkennt, dass er zuallererst ein Mann des Gebets und erst danach ein Evangelist war“ (Bethan Lloyd-Jones). Besonders als Mann des Gebets lehrte Lloyd-Jones mich, wie man im Heiligen Geist betet.

Mein Wunsch zu lernen, wie man im Geist betet, entstand aus einem Rätsel, das mich beschäftigte. Ich las : „Betet allezeit im Geist mit allem Gebet und Flehen.“ Dieser Vers ließ mich nicht los. Ich konnte die Wörter analysieren und die Grammatik bis ins Detail erklären, aber ich hatte ständig das Gefühl, dass ich die Wirklichkeit dieses Verses gar nicht erlebte. Lloyd-Jones wurde für mich zu einem geistlichen Mentor, der mir half, diesen Vers zu einer lebendigen Erfahrung werden zu lassen. Er führte mich auf einer Entdeckungsreise durch drei Schritte: (1) was das Beten im Geist nicht ist, (2) was es ist und (3) wie es praktisch geschieht.

Was beten im Heiligen Geist nicht bedeutet

Zunächst half er mir zu verstehen, was Beten im Geist bedeutet, indem er es seinem völligen Gegenteil gegenüberstellte: dem Beten im Fleisch. Beten in der Kraft des Fleisches verlässt sich auf menschliche Fähigkeiten und Anstrengungen, um das Gebet voranzutreiben.

„Wir alle kennen das Gefühl der Trockenheit im Gebet, die Mühe beim Beten, das Verstummen, als hätten wir nichts zu sagen und müssten uns dazu zwingen, überhaupt weiterzubeten. Soweit das auf uns zutrifft, beten wir nicht im Geist.“ (Martyn Lloyd-Jones, Living Water: Studies in John 4, S. 99)

Wie überwinden wir diese Schwierigkeiten im Gebet? Das Beten im Fleisch greift auf menschliche Kraft und Anstrengung zurück, um sie zu überwinden. Wenn uns im Gebet die Worte fehlen, versuchen wir vielleicht, dieses Problem durch eine Flut von Worten auszugleichen. Doch Jesus warnte davor zu meinen, wir würden erhört, weil wir viele Worte machen (). Wenn wir versucht sind, das Gebet nach kurzer Zeit aufzugeben, richten wir unseren Blick womöglich darauf, wie lange wir beten. Aber der Erfolg im Gebet hängt nicht davon ab, wie viele Minuten oder Stunden wir im Gebet verbringen. Manche versuchen, geistliche Trockenheit zu überwinden, indem sie sich darauf konzentrieren, möglichst gut zu beten. Unmerklich setzen sie ihr Vertrauen auf perfekt formulierte, lehrmäßig korrekte Gebete, auf die richtigen Worte, den passenden Sprachstil, den richtigen Tonfall, die angemessene Gefühlsintensität oder Lautstärke.

All diese Versuche, die Schwierigkeiten mit eigener Kraft zu überwinden, sind letztlich der Versuch, die Lebendigkeit nachzuahmen, die nur der Heilige Geist im Gebet schenken kann.

„Der Geist ist ein Geist des Lebens und ebenso der Wahrheit. Das Erste, was er immer bewirkt, ist, alles lebendig und kraftvoll zu machen. Und selbstverständlich besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Leben und der Lebendigkeit, die der Geist hervorbringt, und dem künstlichen, oberflächlich fröhlichen Ersatz, den Menschen hervorbringen.“ (Living Water, S. 99)

Wenn das Beten im Fleisch also nur eine Fälschung oder Nachahmung des Betens im Geist ist, was ist dann das echte Beten im Geist? Genau das war der zweite Schritt dieser Entdeckungsreise: herauszufinden, was Beten im Geist tatsächlich ist.

Was beten im Heiligen Geist bedeutet

Der entscheidende Unterschied ist folgender: Im Fleisch treiben wir das Gebet selbst voran, während wir im Geist das Gefühl haben, vom Geist mitgetragen zu werden, der das Gebet voranbringt. Im Geist zu beten bedeutet, zu erleben, wie der Geist des Lebens das Gebet lebendig macht.

Im Geist zu beten bedeutet, dass der Heilige Geist das Gebet stärkt und es im Namen Jesu zum Vater trägt. Das Gebet hat eine lebendige Qualität, die von Wärme, Freiheit und einem Gefühl des Austauschs geprägt ist. Wir erkennen, dass wir in Gottes Gegenwart sind und mit Gott sprechen. Der Geist erleuchtet unseren Verstand, bewegt unser Herz und schenkt uns Freiheit im Reden und Ausdruck.

Lloyd-Jones verwendete häufig starke Gegensätze, um seine Aussagen deutlich zu machen. Er ging nicht oft zurück, um die Unterschiede zwischen dem Beten im Fleisch und dem Beten im Geist genauer abzustufen. Er beschrieb vielmehr klare Gegensätze, damit wir den Unterschied zwischen beiden besser erkennen können.

Es ist hilfreich anzuerkennen, dass es unterschiedliche Grade der Erfahrung gibt, wenn es um das Beten im Geist geht. Es fühlt sich nicht jedes Mal wie eine Erweckung an, wenn wir im Geist beten. Es gibt verschiedene Erfahrungen davon, wie stark wir uns getragen oder vorangetrieben fühlen. Manchmal fühlt sich das Beten im Geist überhaupt nicht aufregend an. Es fühlt sich eher wie ein Seufzen an. Der Geist hilft uns in unserer Schwachheit und tritt für uns gemäß dem Willen Gottes ein ().

Ich erinnere mich an eine Fahrradtour, bei der die erste Hälfte der Strecke leicht bergauf ging und die zweite Hälfte leicht bergab. Manchmal denke ich daran als ein Bild für den Unterschied zwischen dem Beten im Fleisch und dem Beten im Geist. Das Beten im Fleisch fühlt sich wie eine Bergauffahrt an, bei der wir uns mit eigener Kraft nach oben kämpfen müssen. Das Beten im Geist entspricht eher einer Abfahrt. Natürlich gibt es unterschiedlich starke Gefälle. Aber das grundlegende Empfinden von Rückenwind, Schwung und Vorwärtsbewegung ist bei jeder Abfahrt vorhanden.

Wenn wir im Geist beten, so beschreibt es Lloyd-Jones, erleben wir, dass der Heilige Geist uns im Gebet zu Gott trägt oder vorantreibt. Aber wie geschieht das konkret?

Wie man im Heiligen Geist betet

Das Beten im Geist umfasst drei Aspekte: (1) unsere Unfähigkeit anzuerkennen, (2) die lebendige Gemeinschaft mit Gott zu genießen und (3) die Verheißungen Gottes mit Freimut und Zuversicht in Anspruch zu nehmen.

Schritt 1: Unsere Unfähigkeit zu beten anerkennen

Wir sollten mit einem Bekenntnis beginnen: Wir müssen eingestehen, dass wir nicht so beten können, wie wir es sollten. Wir müssen uns unserer Neigung stellen, aus eigener Kraft beten zu wollen. Der Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass Gebet eine geistliche Tätigkeit ist und dass die Kraft des Fleisches überhaupt nichts ausrichtet. Wir sollten unsere geistliche Trockenheit und unsere Schwierigkeiten wahrnehmen und Gott unsere Stumpfheit, Leblosigkeit, geistliche Trägheit und Langsamkeit bekennen (Living Water, S. 86).

Doch dieser Schritt ist nicht passiv. Er bedeutet, uns bewusst dem Heiligen Geist zu überlassen. Das Bekenntnis führt zu Erwartung und zu einer betenden Vorfreude.

Schritt 2: Die lebendige Gemeinschaft mit Gott genießen

„Du wirst dir einer Gemeinschaft bewusst, eines Austauschs, eines Gebens und Nehmens, wenn ich diesen Ausdruck verwenden darf. Du schleppst dich nicht mühsam voran; du zwingst die Situation nicht; du versuchst nicht, mit jemandem ein Gespräch zu führen, den du gar nicht kennst. Nein! Der Geist der Sohnschaft in dir bringt dich unmittelbar in die Gegenwart Gottes, und es entsteht eine lebendige Gemeinschaft und innige Verbindung, erfüllt von Leben.“ (Lloyd-Jones, The Christian Soldier, S. 100)

Der Ort, an dem du betest, scheint sich zu verändern. Ich beginne mein Gebet in meinem Wohnzimmer, und plötzlich habe ich das Empfinden, im Thronsaal Gottes zu sein.

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen dem Beten im Fleisch und dem Beten im Geist besteht darin, dass man beim Beten im Geist nicht das Bedürfnis verspürt, sofort etwas sagen zu müssen. Die lebendige Wirklichkeit, die der Heilige Geist schafft, ist das Bewusstsein von Gottes Gegenwart. Seine Gegenwart zu erleben erscheint viel wichtiger als jede Bitte, die man vorbringen möchte (Lloyd-Jones, The Christian Soldier, S. 82). Doch der Geist führt uns nicht dazu, nur passiv in Gottes Gegenwart zu verweilen. Er schenkt uns vielmehr einen heiligen Freimut, mit dem wir Gottes Verheißungen vor ihn bringen.

Schritt 3: Mit heiligem Freimut bitten

Das Ergebnis des Wirkens des Heiligen Geistes ist, dass wir uns als demütige Kinder Gottes in Ehrfurcht vor ihm beugen. Wir treten nicht vor einen unbekannten oder fernen Gott, aber wir stürmen auch nicht mit oberflächlicher Vertrautheit in seine Gegenwart. Wir kommen mit einem neu geweckten Bewusstsein von Nähe und Ehrfurcht zugleich. Der Heilige Geist erfüllt unsere Gebete mit einer heiligen Freimütigkeit, einer Freimütigkeit, die Gottes Verheißungen vor Gott selbst in seiner Gegenwart geltend macht.

Das Schöne an diesem Freimut ist, dass er demütig und heilig ist. Er ist niemals anmaßend oder fordernd.

„Erhebt keine Ansprüche, stellt keine Forderungen. Bringt eure Bitten vor Gott und lasst sie aus eurem Herzen kommen. Gott wird euch verstehen. Wir haben nicht einmal das Recht, eine Erweckung zu fordern. Manche Christen neigen heutzutage dazu. Betet eindringlich, fleht, gebraucht alle Argumente und alle Verheißungen Gottes; aber fordert nichts und erhebt keine Ansprüche. Versetzt euch niemals in die Haltung zu sagen: ‚Wenn wir nur dies tun, dann muss jenes geschehen.‘ Gott ist der souveräne Herr, und diese Dinge übersteigen unser Verständnis. Sprecht niemals davon, etwas einzufordern oder zu beanspruchen.“ (Lloyd-Jones, The Final Perseverance of the Saints, S. 155)

Den Heiligen Geist nicht dämpfen

Lloyd-Jones sagte einmal, dass der schnellste Weg, den Heiligen Geist zu dämpfen, darin besteht, einem inneren Anstoß zum Gebet nicht zu gehorchen. Dieser Gedanke ist für mich sehr persönlich, deshalb möchte ich eine Erfahrung aus meinem eigenen Leben erzählen.

Eines Tages fuhr ich nach meiner Schicht bei UPS nach Hause. Während meiner Promotionszeit arbeitete ich nachts und bekam nie genug Schlaf. Es war sehr früh am Morgen, etwa halb fünf, und ich kämpfte am Steuer gegen das Einschlafen. Ich versuchte alles, um wach zu bleiben. Ich drehte das Radio laut auf und sang mit. Ich schlug mir sogar selbst ins Gesicht. Das Nächste, woran ich mich erinnere, ist, dass ich in unserer Einfahrt aufwachte. Ich war ziemlich erschüttert. Ich wusste nicht, wie ich überhaupt nach Hause gekommen war.

Ich ging ins Haus, jetzt plötzlich hellwach. Als ich unser Schlafzimmer betrat, fiel mir etwas Merkwürdiges auf: Auch meine Frau war wach. Normalerweise hätte sie um diese Zeit geschlafen, doch stattdessen saß sie aufrecht im Bett und wartete auf mich.

Sie fragte: „Hallo Schatz, wie war die Fahrt nach Hause?“

Ich antwortete: „Komisch, dass du fragst. Ich hatte große Mühe, auf der Fahrt wach zu bleiben. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wie ich überhaupt hier angekommen bin.“

Sie sagte: „Ja, das habe ich mir schon gedacht …“

Ich erwiderte: „Okay, jetzt musst du mir mehr erzählen!“

Sie erklärte: „Nun, ich bin gegen halb fünf ganz plötzlich aufgewacht und hatte einen sehr starken inneren Impuls zu beten. Ich dachte mir, dass du wahrscheinlich gerade auf der Straße Schwierigkeiten hast, weil du um diese Uhrzeit normalerweise nach Hause kommst. Also habe ich für dich gebetet.“

Ich glaube, dass ich heute noch lebe und diese Zeilen schreiben kann, weil meine Frau den Heiligen Geist in diesem Moment nicht gedämpft hat. Sie folgte seinem Anstoß zu beten. Ich hoffe, diese Geschichte macht deutlich, wie viel beim Gebet auf dem Spiel steht. Unsere Neigung, den Heiligen Geist zu dämpfen, ist keine kleine oder unbedeutende Sache. Lasst uns uns dem wirklichen Beten im Heiligen Geist hingeben und der Versuchung entsagen, aus eigener Kraft beten zu wollen. Und lasst uns nach dem Vorbild von Lloyd-Jones jedem Anstoß zum Gebet gehorsam folgen.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von Desiring God.

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Jason Meyer

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Pastor, Minneapolis, Minnesota

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