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Gebet

Was Gott tut, während du darauf wartest, dass dein Gebet beantwortet wird

8. Juni 2026Courtney Reissig6 Min. Lesezeit

Wenn du schon lange genug dabei bist, erinnerst du dich wahrscheinlich an das beliebte Lied „Unanswered Prayers“ (unbeantwortete Gebete) von Garth Brooks. Es ist ein eingängiges Lied und eines, an das wir uns gern klammern, wenn wir das Gegenteil von dem erleben, wofür wir gebetet haben.

Brooks geht die Dinge durch, von denen er in seiner Jugend dachte, dass er sie wollte, die sich jedoch nicht erfüllt haben, sodass er sich fragte, ob seine Gebete unbeantwortet geblieben seien. Wenn er auf sein Leben zurückblickt und darauf, wo er heute steht, kommt er zu dem Schluss, dass Gott in diesen unbeantworteten Gebeten tatsächlich gute Gaben schenkt. Wofür wir in unserer Jugend beten, ist vielleicht nicht das, was wir in reiferen Jahren und im Alter wirklich wollen.

Aber stimmt es wirklich, dass Gott Gebete unbeantwortet lässt? Im Alten Testament war Gottes Weigerung, auf die Gebete seines Volkes zu hören, ein Zeichen des Gerichts. Doch im Neuen Testament sehen wir immer wieder, dass Gott Freude an den Gebeten seines Volkes hat – und Freude daran, sie zu erhören. In bekommen wir Klarheit über unsere Gebete und darüber, wie Gott sie beantwortet. Er antwortet vielleicht nicht auf die Weise, wie wir es uns wünschen, aber er gibt uns immer das Beste. Und er antwortet immer; es ist vielleicht nur nicht die Antwort, um die wir gebeten haben.

Auch wenn Garth Brooks kein Theologe ist, so ist es Charles Spurgeon. In seinem Andachtsbuch „Morning and Evening“ schreibt er Folgendes über „unbeantwortete Gebete“:

Unbeantwortete Bitten sind nicht ungehört. Gott bewahrt unsere Gebete auf – sie werden nicht vom Wind verweht, sondern in den Archiven des Königs aufbewahrt. Es gibt ein Verzeichnis im himmlischen Gerichtshof, in dem jedes Gebet aufgezeichnet wird. Geprüfter Gläubiger, dein Herr hat eine Tränenflasche, in die die kostbaren Tropfen heiligen Kummers gesammelt werden, und ein Buch, in dem deine heiligen Seufzer gezählt werden. Bald schon wird dein Anliegen Erfolg haben. Kannst du dich nicht damit zufriedengeben, noch eine kleine Weile zu warten? Wird die Zeit deines Herrn nicht besser sein als deine eigene? Schon bald wird er in tröstender Weise erscheinen, zur Freude deiner Seele, und dich das Sacktuch und die Asche langen Wartens ablegen lassen und dir das Scharlachrot und die feine Leinwand völliger Erfüllung anziehen.

Spurgeon entfaltet hier eine Wahrheit, die in der Schrift immer wieder betont wird. Gott misst die Zeit nicht so, wie wir sie messen. Seine Wege sind nicht unsere Wege (). Was uns als unbeantwortet erscheint, verläuft für ihn einfach nach seinem Zeitplan. Es gibt keine unbeantworteten Gebete, aber es gibt Zeiten, in denen Gott, wie es Dale Ralph Davis ausdrückt, „auf langsam stellt“. Dann befinden wir uns in einer Haltung des Wartens, viel länger, als wir es uns wünschen oder als es uns angenehm ist.

Was tun wir, während wir warten? Wenn wir glauben, dass Brooks unrecht hatte, wie überbrücken wir dann die Kluft zwischen unseren Gebeten und Gottes Eingreifen?

Die Psalmen sind das Gebetsbuch wartender Christen. Wenn du wartest, kannst du einen Psalm aufschlagen und dort Balsam für dein wartendes Herz finden. Aber schauen wir uns einen an, der uns leiten möge, während wir auf die Erhörung unserer Gebete warten.

Betet ohne Unterlass

Beständig zu beten ist ein biblisches Konzept, aber es ist schwer in die Praxis umzusetzen (). Wir haben Arbeit. Wir haben ein Leben. Ununterbrochenes Beten erscheint ineffizient und unpraktisch. Doch die Bibel zeigt Beispiele dafür, wie das Gebet zu einer Konstanten in unserem Leben werden kann.

Betrachte : „Herr, in der Frühe wirst du meine Stimme hören; in der Frühe werde ich dir zu Befehl sein und Ausschau halten.“

Beim Aufwachen ruft der Psalmist zum HERRN. Wenn ich darauf warte, dass Gott handelt, besteht meine natürliche Reaktion darin, selbst zu handeln. Wenn ich mich machtlos fühle, beginne ich, nach mehr Kontrolle zu greifen. Doch was würde mit meinem Herzen während des Wartens geschehen, wenn ich – bevor meine Füße den Boden berühren, oder meine Hände zum Telefon greifen – beten würde?

Die Verheißung in Vers 4 lautet, dass Gott hört, wenn wir beten. Der Psalmist weiß, dass Gott seine Stimme hört, und er vertraut darauf, dass Gott handeln wird; deshalb betet er. Und weil er betet, kann er voller Erwartung Ausschau halten, im Wissen, dass Gott eingreifen wird.

Bleibe der Gemeinschaft nahe

Wenn eine Frau auf die Geburt ihres Kindes wartet, fühlt sich jeder Tag wie eine Ewigkeit an. Im Supermarkt fragen die Leute, wann es so weit ist. In der Gemeinde fragen sie: „Wie lange noch?“ Gleichzeitig erzählen andere Frauen ihr von ihren eigenen Zeiten des Wartens. Ob es nun eine Horrorgeschichte darüber ist, wie sie weit über den errechneten Geburtstermin hinaus warten mussten, oder ob sie ihr Mitgefühl wegen der Beschwerden und Mühen des Wartens ausdrücken – die Gemeinschaft anderer Mütter hilft einer wartenden Mutter, diese letzten Tage zu überstehen, die sich wie Jahre anfühlen.

Dasselbe gilt für uns, wenn wir darauf warten, dass Gott antwortet. Der Psalmist wartet nicht allein. Schau auf Vers 8: „Ich aber darf durch deine große Gnade eingehen in dein Haus.“

Im Alten Testament wird „dein Haus“ allgemein als der Tempel verstanden, der Ort, an dem Gott wohnte und an dem sein Volk von ihm hörte. Während ihres Wartens beteten sie, bevor sie handelten, aber sie versammelten sich auch mit dem Volk Gottes.

Es liegt Trost in gemeinsam getragenem Leid. Wir sind nicht dazu bestimmt, allein zu warten. Andere können die Trauer und das Warten, die wir durchleben, mittragen oder nachempfinden.

Suche Zuflucht bei Gott, während du wartest

Der Psalmist durchläuft oft seine Gebete und Klagen, bevor er zu einem Punkt der Erlösung gelangt. Er ist ehrlich in Bezug auf seine Kämpfe, doch dann muss er sich ihnen stellen und zur Ruhe kommen. Dasselbe gilt auch in diesem Psalm: „Aber alle werden sich freuen, die auf dich vertrauen; ewiglich werden sie jubeln!“ (‭‭Psalmen‬ ‭5‬:‭12‬).

Wir können versucht sein, unsere Zuflucht bei Dingen oder Menschen zu suchen, die wir sehen können. Warten ist schwer. Wir wissen nicht, wann es enden wird. Doch die Angst wächst, wenn wir unsere Zuflucht in irgendetwas anderem als dem Herrn suchen. Alles andere wird uns irgendwann enttäuschen, aber er wird eine beständige schützende Kraft sein, während wir darauf warten, dass er in Bezug auf unsere Bitten handelt.

Ich lebe mit dem Schmerz unbeantworteter Gebete. Vielleicht möchtest du, wie ich, dich mit einer schnellen Lösung oder der Illusion von Kontrolle zufriedengeben, und am Ende bleiben deine Hände leer. Lass die Psalmen dein Wegweiser sein und den Herrn deine Zuflucht, während du mit Gebeten lebst, die noch nicht erhört worden sind. Es gibt kein Gebet, das er nicht hört oder auf das er nicht voller Mitgefühl antwortet.

Anmerkung der Redaktion:

Eine Version dieses Artikels erschien bei  Crossway. Courtney Reissig ist die Autorin von Prayer aus der neuen Heftreihe für Frauen von  The Gospel Coalition – Disciplines of Devotion. Du kannst ihr Buch über den Buchladen von The Gospel Coalition oder bei  Amazon erwerben und die gesamte Reihe Disciplines of Devotion bei TGCW26 ansehen.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler. Mehr von The Gospel Coalition.

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Über den Autor

Courtney Reissig

Courtney Reissig

Autor

Courtney Reissig ist Schriftstellerin und Bibellehrerin und lebt in Little Rock, Arkansas. Sie ist Autorin von Teach Me to Feel: Worshiping Through the Psalms in Every Season of Life und Promises Kept, einer Bibelstudie über die Bündnisse des Alten Testaments. Courtney und ihr Mann haben vier Söhne.

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