Was in Babel geschehen ist, wird an Pfingsten nicht rückgängig gemacht, sondern vollendet.
Eine häufige Deutung von lautet: Die Sprachverwirrung sei Gottes Strafgericht, das er an Pfingsten wieder aufhebe. Doch zeigt ein anderes Bild. An Pfingsten redet Gott nicht in einer einheitlichen Sprache zu allen, er redet durch den Heiligen Geist in den je eigenen Sprachen der Anwesenden. Die Vielfalt bleibt. Sie wird nicht aufgehoben, sondern von innen her geheiligt.
Ebenso in und 7,9 am Ende der Geschichte. Dort steht vor dem Thron Gottes keine homogene Einheitsmenge, sondern Menschen aus allen Stämmen und Sprachen, Völkern und Nationen. Die Vielfalt der Kulturen und Sprachen, entstanden durch Babel und weiterentwickelt durch die Geschichte, ist kein Unfall, sondern Absicht. Sie spiegelt den dreieinigen Gott wider, der Einheit (ein Wesen) und Vielfalt (drei Personen) in sich selbst vereint.
Babel war viel mehr als nur Gericht. Es war auch Gottes souveräner Schritt, die Erde so zu füllen, wie er es von Anfang an vorhatte. Bemerkenswert ist dabei, dass weder an Pfingsten noch in der Offenbarung eine neue Einheitssprache eingeführt wird. In der Erlösung wirkt Gott nicht durch Vereinheitlichung, sondern durch Verwandlung. Und so heiligt Gott die Vielfalt, statt sie rückgängig zu machen.
Das ist ein wichtiger Einwand gegen bestimmte Technologieutopien, die von einer digitalen Weltgemeinschaft träumen, in der alle Unterschiede überwunden sind. Das biblische Endziel ist keine globale Einheit ohne Differenz, sondern Einheit nach dem Vorbild des dreieinigen Gottes. Technologie darf zur Vernetzung dienen, aber nicht zur Gleichschaltung werden. Wer kulturelle, sprachliche und gemeinschaftliche Eigenheiten unter dem Vorwand der Effizienz abschleift, widerspricht dem, worauf die Heilsgeschichte hinausläuft.
Siehst du in der technologischen Globalisierung eher Vereinheitlichung oder Entfaltung menschlicher Vielfalt?
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Über den Autor
Autor
Hanniel Strebel, Jahrgang 1975, ist verheiratet und Vater von fünf Söhnen. Er ist ausgebildeter Betriebswirt (FH) und Theologe (MTh, USA) mit einer Promotion in Systematischer Theologie (PhD, USA). Beruflich ist er als Projektmanager sowie als Berater von Führungskräften in der Wirtschaft tätig.
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