Vielleicht prägt kein Moment eine Beziehung so sehr wie der, in dem jemand seinen Schmerz mitteilt.
Wie du darauf reagierst, kann große Heilung bringen oder großen Schaden verursachen; es kann die Last des anderen erleichtern oder sie noch vergrößern. In diesem Moment entscheidet der Leidende, ob du jemand bist, bei dem er sicher seine Gedanken und Gefühle teilen kann, oder ob er um dich herum eher Mauern aufrechterhalten muss.
Leider wurde den meisten Menschen nie beigebracht, wie man in solchen Momenten reagiert. Weil wir helfen wollen (und Angst vor unangenehmer Stille haben), sagen wir oft das Erste, was uns in den Sinn kommt:
„Alles geschieht aus einem bestimmten Grund.“
„Hast du schon versucht, dafür zu beten?“
„Denkst du, dass Gott dir etwas beibringen will?“
„Gott gibt dir nicht mehr, als du tragen kannst.“
„Immerhin hast du noch …“
„Ich weiß genau, wie du dich fühlst.“
Unsere Worte sind vielleicht gut gemeint. Sie entsprechen manchmal vielleicht sogar der Wahrheit. Leider sind sie oft unpassend, wenig hilfreich oder sogar verletzend.
Hier ist die gute Nachricht: Hilfreich zu sein ist einfacher, als die meisten denken. Und wenn wir weise damit umgehen, können wir die Liebe und Nähe Christi auf kraftvolle Weise vermitteln. Betrachte diese vier Wege, einem Leidenden (wirklich) zu helfen.
Mein Freund Paul hat mir einmal eine Geschichte erzählt. Nachdem er einen Verlust erlebt hatte und sehr darunter litt, betete er: „Gott, ich wünschte, du wärst körperlich hier und würdest deinen Arm um mich legen.“ Später am selben Abend ging er zu einer Veranstaltung für junge Erwachsene und setzte sich allein hin. Jemand setzte sich neben ihn, legte seinen Arm um ihn und fragte ehrlich: „Wie geht es dir?“ Paul sagte mir: „Ich glaube, manchmal, wenn wir Gott bitten, seinen Arm um uns zu legen, schickt er einen seiner Leute, die ihren Arm um uns legen.“
Oft ist das, was ein leidender Mensch am meisten braucht, besonders nach einer Tragödie, nicht Rat, nicht Input und keine Bibelverse als Slogans. Es ist körperliche Gegenwart, die die Gegenwart Christi bezeugt.
Eines der besten biblischen Beispiele für die Kraft von Gegenwart ist, wie die Freunde Hiobs zunächst auf sein Leid reagierten: „Und sie saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte, und keiner sprach ein Wort zu ihm, denn sie sahen, dass sein Leid sehr groß war“ ().
Nimm dir den Druck, unbedingt etwas sagen zu müssen. Meistens gibt es keine Worte, die eine Situation sofort besser machen. Indem du einfach bei einem Leidenden sitzt (und vielleicht deinen Arm um ihn legst), vermittelst du: „Ich habe keine Antworten, aber ich liebe dich, und ich bin bei dir.“ Das ist oft das, was ein leidender Mensch am meisten braucht.
Eine der besten Möglichkeiten, Liebe zu zeigen, ist Zuhören. David Augsburger beobachtet: „Gehört zu werden ist dem Gefühl, geliebt zu werden, so nahe, dass sie für den Durchschnittsmenschen kaum zu unterscheiden sind.“
Auch wenn Zuhören das Leiden eines Menschen nicht beseitigt, kann es doch die Einsamkeit lindern, die es fast immer begleitet. Durch Zuhören spiegeln wir den Gott wider, der Tränen hört (; ), und erinnern den Leidenden daran, dass er nicht allein ist.
Ein häufiger Fehler ist es, Ratschläge zu geben, bevor man wirklich zugehört hat. Die Bibel nennt das Torheit: „Wenn jemand antwortet, bevor er gehört hat, ist das seine Torheit und Schande“ ().
Sofort in den Modus des Ratschlaggebens zu springen, verharmlost den Schmerz des Leidenden, als stünden wir über ihm mit einfachen Antworten. Durch Zuhören stellen wir uns neben den Leidenden, sind mit ihm in seinem Schmerz und abhängig von Gottes Hilfe. Das bedeutet nicht, dass wir niemals sprechen sollten; manche Worte können zur richtigen Zeit hilfreich sein. Aber unser erstes Ziel sollte immer sein, zuzuhören und zu verstehen, niemals zu „reparieren“.
Vor etwa zehn Jahren ging ich durch eine schwere Krise und teilte meinen Schmerz mit einem Freund der Familie. Ich erinnere mich noch genau an die Reaktion: „Blake, mein Herz blutet für dich.“
Damals dachte ich: Ich bin mir nicht sicher, ob ein einziger Satz mich je so geliebt hat fühlen lassen. Statt mein Leid zu beurteilen, ist die Person darin eingetreten.
Jesus zeigte diese Art von Liebe gegenüber seinen Freunden, als sie über den Tod von Lazarus trauerten. Obwohl Jesus kurz davor stand, Lazarus von den Toten aufzuerwecken, bestand seine erste Reaktion darin, mit seinen Freunden zu weinen ().
Tränen sind oft mächtiger als Worte. Dane Ortlund schlägt vor, („Weint mit den Weinenden“) zu leben, bevor man Verse wie („Denen die Gott lieben dienen alle Dinge zum Guten“) zitiert. Es wird Gelegenheiten geben, Leidende auf Bibelverse hinzuweisen. Aber zunächst sind Tränen das beste seelsorgerliche Mittel, das wir haben.
Es kann schnell passieren, dass man sich hilflos fühlt, wenn man einen Leidenden begleitet. Wir können seine Umstände nicht reparieren, geschweige denn sein inneres Chaos auflösen. Ein Perspektivwechsel, der mir geholfen hat, besteht darin, nicht zu fragen: „Wie kann ich seinen Schmerz wegnehmen?“, sondern einfach: „Wie kann ich für die nächsten 30 Minuten Erleichterung schaffen?“
Leiden kann sich unerbittlich anfühlen. Die Psalmisten beschrieben ihr Leid regelmäßig als Ertrinken (; 69:2; 88:7), als ein verzweifeltes Ringen nach einem Moment von Freude und Hoffnung. Als Freunde von Leidenden können wir die Wellen nicht stoppen, aber wir können durch Ermutigung Erleichterung bringen.
Höre genau hin, wo der Leidende Christus widerspiegelt oder ehrt. Vielleicht ist es sein Gebetsleben, seine Weigerung zu klagen oder einfach die Tatsache, dass er über seinen Schmerz spricht (was an sich schon Mut erfordert). Hier sind einige Beispiele, was du in solchen Situationen sagen kannst:
„Dein Vertrauen auf Gott trotz deines Schmerzes ist ein klares Zeichen des Heiligen Geistes in dir.“
„Die Tatsache, dass du immer noch an andere denkst, ist ein wunderschönes Abbild von Christus.“
„Wie du weiterhin dankbar bleibst, ist wirklich inspirierend.“
„Danke, dass du mir zeigst, wie man gut leidet. Ich preise Gott deinetwegen.“
Leidende mögen deine Worte vergessen, aber sie werden nie vergessen, wie du sie hast fühlen lassen. Durch das Dasein, Zuhören, das Eintreten in ihren Schmerz und Ermutigung kannst du ihnen helfen, die Liebe Christi auf eine Weise zu erfahren, die sie vielleicht nie vergessen werden.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler. Mehr von The Gospel Coalition.
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Über den Autor
Autor
Blake Glosson (MDiv, Reformed Theological Seminary) ist assistierender Campus-Pastor an der Chapelstreet Church in Geneva, Illinois. Zuvor diente er als Leiter der jungen Erwachsenen an der New Covenant Bible Church.
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